Die Louwen-Diät

Jede meiner betreuenden Schwangeren muss sich beim ersten Treffen direkt Ernährungsempfehlungen anhören. Da ist das ein oder andere Augenrollen dabei, sage ich aber dass sie dadurch eine schmerzarme und schnellere Geburt erreichen können, werden sie hellhörig. Die sogenannte Louwen-Diät soll dafür sorgen.

 

Eine Diät in der Schwangerschaft?

Unter Diät verstehen viele "abnehmen" - das sollte man tatsächlich in der Schwangerschaft vermeiden. Das Wort Diät steht aber für die Ernährungs- und Lebensweise eines Individuums.

Prof. Dr. med. Frank Louwen - Leiter der Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Universitätsklinikum Frankfurt - rät also zu einer speziellen Ernährungsweise für eine leichtere und schnellere Geburt. Was genau er damit meint, gehen wir jetzt Schritt für Schritt durch:


Starten wir mit den Versprechen der Louwen-Diät:

  1. Das Baby kommt rechtzeitig im Geburtszeitraum

  2. Die Geburt schreitet schneller voran

  3. Die Geburt ist leichter

  4. Der Wehenschmerz ist erträglich

Klingt gut? Ich finde es lohnt sich!


 

Wie funktioniert die Diät?

Um mal auf den Punkt zu kommen, Schwangere sollen bestenfalls acht Wochen vor der Geburt auf raffinierten Zucker und Weißmehl-Produkte verzichten. Ich weiß, es gibt cooleres, vor allem wenn an heißen Sommertagen das Eis so gut schmeckt oder im Winter die Plätzchen nicht wegzudenken sind - ABER es lohnt sich!

Ein starker Blutzuckeranstieg im Blut wirkt sich negativ auf die geburtsauslösende Hormone aus

Nur wie lässt sich der Blutzuckerspiegel regulieren? Am besten schauen wir uns mal den glykämischen Index an:

Der Glykämische Index (auch GI oder Glyx genannt) sagt aus, wie stark die Kohlenhydrate eines Lebensmittels den Blutzuckerspiegel erhöhen. Je geringer der GI, desto weniger und langsamer steigt der Blutzuckerspiegel.

Als Maßstab für den GI wird die Blutzuckerwirkung von reinem Traubenzucker genommen, weil der den stärksten Blutzuckeranstieg unter allen Lebensmitteln verursacht: Dieser hat einen GI von 100 %.

Lebensmittel mit einem hohen GI - zum Beispiel Weißmehlprodukte, Süßigkeiten oder süße Getränke - bewirken einen schnellen Blutzuckeranstieg. Ein plötzlicher hoher Blutzuckerschub lässt den Insulinspiegel im Blut stark ansteigen. Die Aufgabe des Insulins ist es, die Zuckeraufnahme in die Körperzellen sowie den Aufbau (Triglyceridsynthese) und die Ablagerung von Fett zu fördern bzw. den Fettabbau (Lipolyse) zu erschweren.

 

Was hat der Blutzuckerspiegel mit der Geburt zu tun?

In den Wochen vor der Geburt produziert der Körper verstärkt das Hormon Prostaglandin. Dieses ist unter anderem an Entzündungs- und Schmerzreakionen beteiligt und gibt ein wichtiges Signal zum Auslösen der Wehen. Setzt Prostaglandin an den Rezeptoren im Gewebe des Gebärmutterhals an, lässt es dieses weicher werden und den Muttermund reifen.


Und jetzt kommt wieder das Insulin ins Spiel. Insulin, der Regulator unseres Blutzuckerspiegels dockt nämlich an die gleichen Rezeptoren wie das Hormon Prostaglandin an! Sind die Dockingstationen in unserem Körper, inbesondere unserer Gebärmutter, durch eine zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung schon von Insulin besetzt, können die Prostaglandine nicht mehr anlegen, um ihre Wirkung auf den Muttermund und die Wehenförderung zu tun.


Kurz: zu viel Insulin hemmt die Wirkung von Prostaglandinen und das kann wiederum den natürlichen Geburtsvorgang verzögern und Geburtsschmerzen stärken.


Zudem nimmt das Ungeborene durch kurzkettige Kohlenhydrate unnötig zu, hat ein höheres Ausgangsgewicht bei der Geburt und somit steigt das Komplikations- und Kaiserschnittrisiko.


 

Was sollte ich also nicht essen?

Kurz & knapp die wichtigsten Lebensmittel:

Gemüse

Obst

Getreide

Kartoffeln

Trockenobst

Brot aus Weißmehl

Mais

Ananas

Nudeln aus Weißmehl

Gekochte Möhren

Banane

Hirse

Kürbis

Melone

Reis

Erbsen

Weintrauben

Kuchen

Papaya

Süßigkeiten

Mango

Wenn du es noch genauer und präziser machen möchtest, dann nimmst du dir eine Liste des glykämischen Index vor und hälst dich bestenfalls an das Ampelsystem.


GLYX_Tabelle_Hebamme_Isabelle
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Für wen ist die Diät nicht erlaubt?

Sprich am besten mit deiner Hebamme oder deinem Gynäkolog*in bevor du mit der Louwen-Diät startest. Solltest du nicht so viel Durchhaltevermögen haben, oder deine Lebensumstände bieten dafür keinen Rahmen - stress dich nicht rein! Wichtig ist, dass es dir und dadurch auch deinem Baby gut geht! Versuche dich zuckerarm zu ernähren und iss nicht für zwei! Damit hast du auch schon viel gewonnen!


In der Schwangerschaft braucht der Körper nur ca. 250 kcal pro Tag zusätzlich
 

Und jetzt hast du dich vielleicht gefragt was mit den "sechs Datteln pro Tag" ist?

Prof. Dr. Louwen sagt, dass die Datteln zur Geburtsvorbereitung ab der 37. Schwangerschaftswoche als Ausnahme völlig in Ordnung sind.


 

Hier noch zusätzlich ein paar Ernährungs-Tipps:

  • Trinke mindestens 2 Liter am Tag

  • Iss viele kleine Mahlzeiten, pflanzliche- und Vollkornprodukte, sowie fettarmes Fleisch und fettreichen Seefisch

  • Solltest du dich vegetarisch oder vegan ernähren, lass deine Nährstoffe beim Arzt prüfen, um einen Mangel zu vermeiden

  • Solltest du nicht auf mindestens 1x Fisch pro Woche kommen, nimm 200mg DHA/Omega 3 zusätzlich ein - dies braucht dein Baby für die Gehirnentwicklung

  • Nimm Folsäure bis zur 13. Schwangerschaftswoche ein

  • Eine Jodsubstitution von 100-150 Mikrogramm/täglich ist in der Schwangerschaft und Stillzeit empfohlen

  • Achte immer auf eine Vitamin-C-Komponente beim Essen um das Eisen besser aufzunehmen

  • Nimm Vitamin D zusätzlich ein, vor allem in den Wintermonaten



Solltest du Fragen zur Ernährung haben, kannst du mich gerne über mein Kontaktformular kontaktieren. Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß, entdeckt neue Rezepte und Speisen und aus meiner Erfahrung raus kann ich euch sagen, ES LOHNT SICH!



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